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Projekt

Von 'das nervt mich' bis zum ersten Verkauf — mit AI

10 Stunden, eine Mac-App, $10 aus Brooklyn. Wie AI den Weg vom Problem zum Produkt auf ein Wochenende komprimiert hat.

Ausgangslage

Ich trage Bose QC Ultra Kopfhörer am Mac, den ganzen Tag — Noise-Cancelling, drei Modi. Wenn ich konzentriert arbeite, schalte ich auf Immersion — Musik rein, Welt raus. Dann klingelt ein Call, und ich will meine eigene Stimme hören und die Umgebung mitbekommen, also muss ich auf Aware wechseln. Danach wieder zurück auf Quiet. Das passiert am Tag ständig.

Das Problem: Für jeden Wechsel muss ich mein Handy rausholen, die Bose App öffnen, warten bis sie connected, den Modus umschalten. Jedes Mal. Bose hat keine Mac-App — keine. Für AirPods gibt es Tools, für Sony auch, für Bose nichts. Das hat mich irgendwann richtig genervt.

Was ich gemacht habe

Ich habe Claude gefragt, ob man Bose-Kopfhörer direkt vom Mac steuern kann. Die Antwort: ja, über Bluetooth Low Energy. Bose nutzt ein eigenes Protokoll — BMAP. Nicht dokumentiert, aber auch kein Hexenwerk. Ein paar Bytes an die richtige Stelle schicken, und die Kopfhörer machen, was man will.

Daraus ist BoseControl entstanden. Eine macOS Menu Bar App — Menüleisten-Icon, ein Klick, Modus wechseln. Quiet, Aware oder Immersion. Dazu Batterieanzeige und Tastenkürzel. Eine Swift-Datei, ~600 Zeilen, 64KB Download. AI hat den Code geschrieben, ich habe getestet und iteriert.

Wo verkaufen?

Ich hatte eine funktionierende App, aber keinen Plan, wo Leute das finden sollen. Also habe ich Claude gefragt: Wo sitzen Bose-Nutzer mit Macs, die das gleiche Problem haben?

Die Antwort war konkret: r/bose auf Reddit — eine Community, die genau über solche Lücken diskutiert. r/macapps — Leute, die gezielt nach nativen Mac-Tools suchen. Hacker News für den technischen Angle.

Ein User aus r/bose hat sich direkt gemeldet und angeboten, mit seinen Gen 2 Kopfhörern zu testen. Hat funktioniert — also unterstützt die App jetzt beide Generationen. Produktentwicklung über Reddit-DMs.

Der eigentliche Aufwand

Der Code war nicht das Thema. Der eigentliche Aufwand war alles drumherum: Apple Developer Account, Code Signing, Notarisierung — damit macOS die App ohne Warnung öffnet. Dann Lemon Squeezy als Store aufsetzen, Pricing festlegen, Landing Page bauen, Launch-Posts schreiben. Das Setup dauert länger als die App zu bauen.

Insgesamt: ~10 Stunden. Nicht Tage, nicht Wochen — Stunden.

Erster Verkauf

$10 aus Brooklyn, New York. Jemand, den ich nicht kenne, hat für etwas bezahlt, das ich in ein paar Abenden gebaut habe. So einfach ging das noch nie.

Die Rechnung

Weil mich selbst interessiert hat, ab wann sich das trägt:

Der Apple Developer Account kostet $99 pro Jahr — das ist die einzige Fixkostenstelle. GitHub Pages ist kostenlos, Lemon Squeezy nimmt keine Grundgebühr, nur 5% + $0.50 pro Verkauf. Von $9.99 bleiben mir netto ~$9.00.

Ohne meine Zeit einzurechnen: 11 Verkäufe pro Jahr decken die Kosten. Mit meiner Zeit — 10 Stunden, konservativ mit €50/h angesetzt — brauche ich insgesamt ~71 Verkäufe für Break-Even. Alles danach ist Gewinn.

71 Verkäufe klingt nach viel. Aber das ist einmalig, nicht jährlich. Danach muss die App nur noch laufen und gelegentlich gepflegt werden — falls Bose ihr Bluetooth-Protokoll ändert, was unwahrscheinlich ist, weil ihre eigene App das gleiche nutzt.

Stand: März 2026

Ein Verkauf, 70 bis Break-Even. Vielleicht war der erste ein Glückskauf. Vielleicht nicht. Gerade geht es darum, sichtbar zu bleiben — weiter mit der Community reden, Feedback einbauen, dafür sorgen, dass Leute BoseControl finden, wenn sie nach genau diesem Problem suchen.

Und falls es funktioniert: ein Weg zu passivem Einkommen, gebaut in 10 Stunden mit AI.